post

Kaffeehäuser: Café Obecni Dum in Prag

Es gibt in Prag günstigere Kaffeehäuser als das Kavárna Obecni Dum im Repräsentationshaus am Platz der Republik mit der Hausnummer 5. Aber … das Café solltest Du einfach mal gesehen und erlebt haben. Falls Du Dich für Architektur und / oder Geschichte interessierst, dann steht das sowieso als absoluter Pflichtbesuch auf der Liste.

Innen ist es fast so als wäre die Zeit stehen geblieben und wenn Du dann an einem der Marmortische sitzt, einen Kaffee und vielleicht auch ein Stück Kuchen aus der Kuchenvitrine auf Rädern ausgesucht hast, dann findest Du auch Zeit Dich in aller Ruhe umzusehen und viele Details zu entdecken. Und so wird auch bei Dir dieser Kaffeehausbesuch sicher noch lang in lebendiger Erinnerung bleiben.

Es hat schon einen gewissen elitären Charakter vor den Mahagoni-Wandvertäfelungen auf lederbezogenen Bänken zu sitzen, eine Tasse Espresso vor sich auf dem Tisch stehen zu haben und einfach nur dem Treiben im Kaffeehaus zuzuschauen. Gäste kommen, Stühle werden zurecht gerückt, die Kuchenvitrine wird zwischen den Tischen hindurch geschoben, Bestellungen werden aufgenommen, Kellner laufen mit Getränken hin und her.

Mich hat das sehr fasziniert und ich muss bei meinen Besuchen in Prag immer wieder mit Bedauern feststellen, dass so ein Kaffeehaus eine liebenswerte Institution ist, die es bei uns in Deutschland leider schon lang nicht mehr gibt.

Zu guter Letzt noch ein Kommentar zum Espresso: Die Crema ist auch auf den Bildern nicht zu übersehen: dick und feinporig. Die Barmischung (wahrscheinlich der Espresso Classico) stammt von Burkhof Kaffee – einer bayerischen Kafferösterei aus dem Unternehmensverbund der J.J.Darboven GmbH & Co. KG. Im Ergebnis ist das aber noch ganz ok, stark und intensiv im Geschmack und optisch – aufgrund der Crema-Sensation – ein echter Hingucker.

post

Kaffeehäuser: Grand Hotel Europa in Prag

Diese wahre Perle des Jugendstils befindet sich am Wenzelsplatz in Prag, der mit einer Fläche von 45.000 m² zu den größten Plätzen Europas gehört, aber aufgrund der einseitigen Ausdehnung eher an einen Boulevard erinnert. Die heutige Form der Bebauung existiert übrigens bereits seit weit über 100 Jahren. Zwischen 1890 und 1930 entstanden die meisten Häuser am Wenzelsplatz.

Erbaut wurde das Haus bereits 1872 und nochmals Anfang des 20. Jahrhunderts in den Jugendstil umgebaut. Es gehörte ab 1924 einem tschechischen Hotelier, dessen Name es auch ursprünglich trug: Hotel Sroubek. 1951 wurde es verstaatlicht und ab Ende 1989 – wie viele andere Gebäude auch – als Folge der Samtenen Revolution unter Václav Havel an die früheren Eigentümer zurückgegeben. Der Realsozialismus in Tschechien war Geschichte, innerhalb von wenigen Wochen vollzog sich der Wechsel zur Demokratie.

Die Zahl der Übernachtungsgäste im Hotel erhöhte sich in den darauf folgenden Jahren und doch: Im Herbst 2013 wurde Insolvenz angemeldet und nach der Entlassung aller Mitarbeiter, waren die Türen für die Gäste zuerst einmal verschlossen.

Im Mai 2016 wurde es dann von dem tschechischen Unternehmer Vaclav Skala an ein Unternehmen der Julius Meinl-Firmengruppe verkauft. Eine aufwändige Sanierung findet nun derzeit statt mit dem Ziel das Grand Hotel Europa voraussichtlich im Jahr 2019 als Fünf-Sterne-Hotel wiederzueröffnen.

Leider ist aktuell dadurch auch kein Geschäftsbetrieb im Kaffeehaus möglich. Ein Blick durch die großen Glasscheiben im Erdgeschoss offenbart Neugierigen nur noch ein paar runde Marmortische, verschiedene Teile der Wandverkleidung und die Drehtür im Eingang. Wirklich schade und Chapeau vor dem Mut der Investoren !

Auch wenn ich bisher noch keinen Kaffee in diesen ehrwürdigen Räumen trinken konnte, kann ich mir gut vorstellen, dass sich inmitten dieses Jugendstil-Ambientes eine wunderbare Atmosphäre entwickelt haben muss. Ich bin gespannt auf das Jahr 2019 und hoffe sehr, dass der Termin auch eingehalten werden kann.