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16 mm Kaffee

Kaffee in der Schule ? In Österreich und Deutschland wurde bis weit in die 1970er-Jahre im Georaphie- / Erdkundeunterricht ein Film über Kaffeeanbau in Guatemala aus den 1930er-Jahren gezeigt. Der Film wurde ursprünglich unter der Nummer F103 in Deutschland von der „Reichsstelle für den Unterrichtsfilm“ herausgegeben, die später in FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) umbenannt wurde. In Österreich übernahm nach dem 2.Weltkrieg die SHB (Staatliche Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm) den Film ebenfalls für den Unterricht übernommen, die dann später in „Bundesstaatliche Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm“ umbenannt wurde.

Im Beiblatt zum Film wird dann auch sehr genau über den Inhalt berichtet:

Der Film zeigt uns zunächst eine Landschaft Guatemalas, in der Kaffee angebaut wird. Sie ist eine typische mittelamerikanische Gebirgslandschaft in etwas 1200 bis 1500 m Höhe, eine klimatisch und landschaftlich hervorragendgeeignete Gegend.

Die für den Kaffee am besten geeignete Zone liegt zwischem dem 10. und 15. Breitengrad. Die Plantagen ersrecken sich hautpsächlich am Westhang der Kordilleren auf den unteren sanft geneigten Hängen der Vulkane. Nur auf dem Hochland der Vera Paz, in der Umgebung von Coban, wird auch im Osten Guatemalas Kaffee in größerem Umfang angebaut.

Die Westhänge der Kordilleren sind durch klimatische Gegebenheiten und durch die Bodenverhältnisse für den Kaffeeanbau gut geeignet. Die Instandhaltung einer Kaffeeplantage zeigt der Film in den folgenden Szenen. Wird der Urwald gerodet, so bleiben einige Bäume als Schattenbäume zum Schutz der Kaffeepflanzen gegen Sonne und Wind stehen.

Ist die Plantage angelegt, muß sie dauernd und gründlich von Unkraut gesäubert werden. Wie man im Film sieht, wird der Boden mit Sichelmessern von dem stark wuchernden Unkraut samt allen seinen unterirdischen Teilen befreit.

Sobald die Kaffeesträucher mehr Sonne vertragen können, müssen die Schattenbäume gelichtet werden. Im Film wird gezeigt, wie die Arbeiter zu diesem Zweck die Bäume hinaufklettern und die Zweige abschlagen. In höheren Gebirgslagen werden die Schattenbäume gefällt, in tieferen müssen sie auf jeden Fall stehenbleiben, da der Kaffeebaum dort die hohe Sonnenwärme nicht verträgt.

Im dritten bis vierten Jahr beginnt der Kaffeestrauch Früchte zu tragen, aber erst im sechsten Jahr bringt er den normalen Ertrag.

Sieben bis zehn Monate nach der Blüte, die mit dem Beginn der Regenzeit (Mai bis Oktober) zusammenfällt, reifen die Früchte. Haben sie die volle Reife erlangt, werden sie von einheimischen Arbeitern gepflückt. In den tieferen Lagen kommt es oft zu einer zweiten und dritten Blüte. Das ermöglicht dementsprechende Nachernten.

Die Kaffeekirschen werden in Körben gesammelt und in Säcke gefüllt, die die Träger zum Maschinenhaus bringen.

Hier erfolgt die Aufbereitung der Ernte, die in Guatemala nach dem „nassen Verfahren“ vorgenommen wird. Nachdem die Kirschen in den Pulpern entfleischt wurden und der Kaffee in den Fermentierungsbassins durch Gärung vom letzten Fruchtfleisch befreit worden ist, wird der so enstandene „Pergamentkaffee“ gewaschen. Das Trocknen erfolgt oft noch auf großen zementierten Tennen, auf denen der Kaffee gut 8 cm hoch aufgeschichtet wird und oft gewendet werden muß. Vielfach ist man zu Trockenhäusern übergegangen, in denen eine Temperatur von 50-60 Grad Celcius herrscht, die den Trocknungsprozess erheblich verkürzt.

Ist der Kaffee getrocknet, wird er eingesackt, um so versandt zu werden. Da die Transportverhältnisse in Guatemala in der damaligen Zeit sehr schlecht waren, wurde der Abtransport der Säcke durch Esel zum nächsten schiffbaren Fluss oder zum Hafen durchgeführt. Dort wurden die Kaffeesäcke auf große Schiffe zu verfrachten, um ihre Reise nach Europa antraten.

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Feichtinger Guatemala als Espresso

Es ist schon eine Besonderheit, wenn jemand die grünen Kaffeebohnen nicht nach Deutschland importiert, sondern einfach direkt im Ursprungsland rösten und verpacken lässt. Für Christof Feichtinger, der selbst einige Zeit in Guatemala gelebt hat, ist dieser nachhaltige Umgang mit Kaffee allerdings selbstverständlich. Es wird daher auch ausschliesslich zertifizierter ökologisch angebauter Kaffee verwendet und alle vorhandenen Ressourcen in Guatemala werden sehr sparsam genutzt. Daher können die Kleinbauern zwar weniger ernten als mit den herkömmlichen Verfahren, doch die hohe qualitative Güte des Kaffees wird ihnen dafür mit entsprechend höheren Preisen honoriert.

Und woher kommt nun der Kaffee ? Christof Feichtinger bezieht seinen Kaffee von der Kooperative Todosanterita. Das Areal befindet sich ungefähr 370 km nordwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Es ist ein langer Weg bis dorthin, denn die Autofahrt dauert etwa 8 1/2 Stunden. Die Anbauflächen der Mitglieder liegen dabei auch noch in Höhen zwischen 1350 und 1650 m über dem Meeresspiegel.

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Was habe ich probiert ? Die von mir getestete Mischung aus der Region Huehuetenango in Guatemala besteht aus drei unterschiedlichen Arabica-Varietäten: Pache Comum, Caturra und Typica. Wen es interessiert: Pache Comum ist eine Typica-Mutation. Caturra ist eine Bourbon-Mutation. Und Typica ist der Ursprung aus dem viele Arabica-Varietäten hervorgehen.

Als Espresso in der Siebträgermachine entwickelt der Feichtinger-Kaffee eine unglaublich intensiv fruchtige Säure und einen nahezu weichen und samtigen Abgang. Die Crema ist vorhanden und stabil, aber relativ dünn. Das geschmackliche Ergebnis ist jedoch über alle Zweifel erhaben: ein wunderbar hergestellter Kaffee, der seinen eigenen Charakter zeigt.

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Den besonderen Kaffee von Christof Feichtinger gibt es übrigens – wie das Buch „Einfach nur Kaffee“ bei Amazon Deutschland.