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Espresso aus Tschechien ?

Es war einfach nur ein Experiment: Es ging darum herauszufinden, ob es tatsächlich auch in Tschechien produzierte Kaffees gibt, die geschmacklich überzeugen können.

Die Wahl fiel auf eine Kaffeerösterei in Prag / Tschechien: Unter dem Label „Marila“ bietet die Firma Mokate Czech s.r.o. verschiedene Kaffeeprodukte an. Nach dem Öffnen der Packung offenbart sich ein erster Blick auf die Kaffeebohnen:

Fein gemahlen durch die Mazzer-Mühle entsteht so das Mahlgut für den ersten Espresso.

Rein optisch zeigt sich nach dem Bezug eine extrem feste Crema in einem schönen Haselnussbraun. Geschmacklich entwickelt sich der Espresso in der Tasse mit einer intensiven Säure, sehr kräftigem Aroma und einer leichten Fruchtnote. Absolut trinkbar, für mich aber kein Vergleich zu den traditionellen Barmischungen.

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Berliner Espresso in Neumarkt

Guter Kaffee und italienische Systemgastronomie – passt das auch zueinander ? In Neumarkt in der Oberpfalz – im Erdgeschoss einer ehemaligen Papiermühle – befindet sich die L’Osteria. Sie gehört neben weiteren Filialen in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und in England zu einer im Jahr 1999 gegründeten Systemgastronomie-Kette aus Nürnberg.

Typisch italienisches Design trifft hier auf typisch italienisches Essen: Antipasti, Pizza und Pasta werden in den verschiedensten Varianten angeboten. Da darf natürlich auch nicht das typisch italienische Equipment fehlen.

Beim Blick auf die Bar fällt sofort eine mehrgruppige La Marzocco auf. Da liegt es natürlich auf der Hand auch den Espresso daraus zu verkosten.

Nachdem die Bestellung für zwei Espressi beim Barista angekommen ist, fängt er sofort mit den entsprechenden Vorbereitungen an: Aus einer großen Mahlkönig-Mühle kommt das vorportionierte Mahlgut für 2 Tassen in den Siebträger. Gleich nebenan wird dann am CPS-Tamper von MACAP das Mahlgut verdichtet. Darauf geht es zum Einspannen in die La Marzocco. Die vorgewärmten Tassen werden aufgestellt und eine knappe halbe Minute später sind die beiden Espresso-Tassen gefüllt. Respekt: Der Barista bringt sie persönlich zu uns an den Tisch.

Welcher Kaffee wird verwendet ? Der Kaffee aus 100% Arabica-Bohnen nennt sich „Bar Italia“ und stammt aus der Berliner Rösterei Andraschko. Beim Probieren fallen sofort der kräftige Geschmack, ein leichte Säure und die intensive Schokoladennote auf. Auch die Crema ist sehr präsent, wenn auch nicht so intensiv wie bei den typischen italienischen Barmischungen. Dazu fehlt dann doch der entsprechende Robusta-Anteil am Kaffee.

Mein Urteil: Auf jeden Fall ein sehr gelungener Espresso, der sich nahtlos in das typisch italienische Gastronomieerlebnis einreiht. Gerne wieder !

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Kaffee oder Espresso ?

Eine Frage, die öfter mal gestellt wurde: Wie bestellt man richtig, wenn Du einen Espresso an der Bar oder im Restaurant trinken möchtest ?

In Deutschland einfach als Espresso, wobei das da nur für „einen“ Espresso gilt. Ab zwei Tassen sind das dann im Plural: „Espressi“ Aber aufgepasst, denn in Italien ist das ganz anders. Denn dort bestellst Du in der Espresso-Bar oder auch im Restaurant einfach nur einen „Caffè“ – alles klar ?

Traditionell wird in Italien der Espresso an der Bar bzw. an der Theke im Stehen getrunken – er kostet aktuell dann auch nur 1,- EUR. Im Sitzen trinken eigentlich nur Touristen und zahlen dafür allerdings auch deutlich mehr.

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Toskana-Flair von Gullo

Die „Crema di Toscana“ von Gullo Caffé wird als typisch klassische Barmischung im Sinne des typisch italienischen Geschmacks angeboten. Ich wollte es aber genau wissen und habe deshalb diese Mischung mit einem Kilo Kaffeebohnen getestet. Für den Classico Italiano wird eine Auswahl von verschiedenen Arabica- und Robusta-Kaffeebohnen aus Mittel- und Südamerika verwendet. Das genaue Mischungsverhältnis wird von Gullo Café auf der Packung leider nicht angegeben, aber aufgrund des Ergebnisses ist anzunehmen, dass der Robusta-Anteil deutlich überwiegt.

Mein persönlicher Eindruck zum „Crema die Toscana“ nach einigen Bezügen: Mir war der Espresso insgesamt zwar kräftig, aber im Abgang zu dünn und unspektakulär. Auch für eine italienische Barmischung könnte da tatsächlich noch etwas mehr herauskommen, wobei ich sagen muss, dass es in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich nichts zu meckern gibt. Doch in erster Linie geht es mir beim Probieren ja grundsätzlich um den Geschmack und nicht darum, wie teuer das Kilo Kaffee ist.

Eine so intensive und feste Crema ist wirklich selten und nachdem ich mehrere Espressi gezogen hatte, ergab sich immer das gleiche Ergebnis: Crema bis zum Abwinken, so schaumig fest, dass der Zucker unsagbar lang auf der oberen Schicht auflag und im Zeitlupentempo versank. Dazu passte dann auch der kräftige, aber doch leicht harmonische Geschmack in der Tasse. Insgesamt eine Kaffeemischung, die ihrem Namen „Crema di Toscana“ im Hinblick auf das Ergebnis wirklich alle Ehre macht.

Was mir bei den Tests von Barmischungen immer wieder auffällt, ist die Schwierigkeit über einen längeren Zeitraum eine nahezu gleichbleibende – im Idealfall identische – Qualität der Tassenbezüge hin zu bekommen. Dabei habe ich auch vernachlässigt, dass sich der Test / die Verkostung nicht über mehrere Wochen hinzieht und auch keine großen Temperaturschwankungen vorliegen. Intereressant wäre in dem Zusammenhang da sicherlich auch mal ein Vergleich des „Crema di Toscana“ bei unterschiedlichen Jahreszeiten.

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Italien pur: Caffe Piansa

Die Kaffeerösterei Piansa hat ihren Sitz in Bagno a Ripoli (Firenze) und produziert feinste Mischungen. Die „Miscela Classica“ ist eine typische Barmischung bestehend aus 50% Arabica-Bohnen: India Plantation A – Etiopia Sidamo und 50% Robusta-Bohnen: Santos NY 2

Unter Berücksichtigung des sehr feinen Mahlgrades an der Mazzer Mühle und den sommerlichen Temperaturen neigt das frisch gemahlene Kaffeepulver zur Bildung von Klümpchen. Das hatte allerdings keinen Einfluss auf die Qualität in der Tasse.

Insgesamt ein hervorragender Espresso, mit einer verdammt guten Crema mit leichten Tiger-Stripes und einer haselnussbraunen Färbung. So sollte ein italienische Barmischung schmecken – mein Favorit für den Sommer !

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Kaffee und Kunst zieht an

Man glaubt es kaum, aber Kaffee kann sogar anziehend, ein künstlerisches Objekt und durchaus alltagstauglich sein. Was sich aus der Kombination von Kaffee und Kunst ergibt, schafft im Auge des Betrachters völlig neue Perspektiven und nicht einfach nur Kaffee. Bei einem Besuch im Atelier von traditionsWerk in Fürth haben wir uns dann genauer umgesehen.

Dort lagern neben vielen hochwertigen Stoffen auch unzählige gebrauchte Kaffeesäcke aus aller Welt, fein säuberlich sortiert nach Motiven und warten darauf, einem neuen Verwendungszweck zugeführt zu werden. Das Ganze nennt sich dann „Upcycling“ und dabei entstehen – neben Taschen und Sitzhockern – unter anderem auch sehr anziehende Kunstobjekte wie diese Jacke:

Neben der Verwendung eines Kaffeesacks aus Brasilien wurden zusätzlich Teile von englischsprachigen Tageszeitungen verwendet, die eigene, mit Bleistift skizzierte Motive enthalten. So wird das Kunstobjekt „Jacke“ selbst zum Träger für weitere Kunst, die in Form dieser skizzierten Zeitungsschnipsel in ihr steckt.

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Mmmh … Drago Mocambo Caffè

Die Kaffeerösterei Mocambo wurde 1984 von Giuseppe Drago gegründet und gehört heute zur internationalen Gilde der Kaffeeproduzenten. Begonnen hat das alles recht einfach – vor allem auch mit Unterstützung von seiner Familie – in Radevormwald im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen. Dort wurden 1984 die ersten Kaffeebohnen in sehr beengten Verhältnissen auf 20 Quadratmetern geröstet. Mit der Zeit wuchs die Zahl der Kunden und auch die Kaffeerösterei Mocambo als Familienunternehmen in der mittlerweile dritten Generation. Im Jahr 2015 wurde dann der Standort in Radevormwald umfangreich erweitert: Neben der Rösterei wurde ein Kundencenter mit Café, einem Schulungs- und Präsentationsbereich und Verkaufsflächen eingerichtet.

Der Familienname Drago heißt übersetzt „Drache“ und findet sich als grünes Logo auch auf den Tüten eines jeden Mocambo-Kaffees.

Mocambo liefert mit dem „Brasilia“ eine typische Barmischung (60% Arabica-Bohnen und 40% Robusta-Bohnen), die ich bedenkenlos als guten Einstieg in die Welt des Kaffees empfehlen kann. Ein Blick in die geöffnete Packung offenbart ein sehr schönes und vor allem gleichmäßiges Bohnenbild. Wenn jetzt noch der Mahlgrad meiner Mazzer-Mühle entsprechend passt und damit die Aromen herauskitzelt, dann steht einem guten Espresso wohl nichts mehr entgegen.

Die Kaffeeverkostung: In der Tasse entwickelt der Klassiker von Drago Mocambo Caffè dann auch seine wahren Qualitäten. Das resultiert in einem kräftigen, aber nicht zu intensiven Aroma, einer leichten Säure und einem vollmundigen Geschmack mit leichten Karamellnoten. Dazu kommt eine kompakte, relativ dichte und feste Crema, die mich überzeugt hat.

Mein Fazit: Mit gefällt der Spagat zwischen italienischer Tradition und der deutschen Vorliebe für nicht ganz so stark gerösteten Kaffee, wie er im Süden Italiens angeboten wird.

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Das Lucaffé in Dillingen

Zufällig bei einem Besuch in Dillingen an der Donau habe ich das Lucaffé entdeckt und bin dort einfach mal hineingestolpert: Das Café mit dem Namen einer italienischen Kaffeerösterei vom Gardasee überraschte mit einer wahren italienischen Design-Schönheit hinter dem Tresen …

Der Kaffee kommt natürlich auch aus Italien und findet sich im Namen des Cafés: Die Kaffeerösterei „Lucaffé Venturelli Gian Luca S.r.l.“ wurde 1996 am Ufer des Gardasees in Padenghe sul Garda von Gian Luca Venturelli gegründet. Im Zuge der stetigen Expansion des Unternehmens wurden im Jahr 2004 die neuen Räumlichkeiten in Carpenedolo (Brescia) bezogen, die sich nur wenige Schritte von der Firma entfernt ist, die ebenfalls von Gian Luca Venturelli geleitet wird und die exklusive Espressomaschinen unter dem Namen La Piccola herstellt und vertreibt.

Nach diesem kleinen Exkurs verlassen wir Italien und kehren zurück ins Lucaffé nach Dillingen in Bayern:

Die Siebträgermaschine bei Lucaffé ist eine La Marzocco FB/80, die in 2007 zum 80. Firmenjubiläum von La Marzocco aufgelegt wurde. Technisch gesehen ist die FB/80 identisch mit der GB/5: gesättigte Brühgruppen, Dual-Boiler-System, ein Vorwärmsystem und ein Heißwasser-Feinmischventil für die genaue Temperatureinstellung von Wasser. Die elektronische Regelung der Brühtemperatur für Espresso ist Standard.

In Kombination mit der Mahlkönig K30 und einer typischen Lucaffé-Barmischung aus 60% Arabica und 40% Robusta macht die La Marzocco FB/80 einen guten Job und bringt ordentlich Crema in die Tassen. Geschmacklich war die Kaffeemischung für mich trotzdem eher im oberen Mittelfeld anzusiedeln, auch was die Intensität der Bohne angeht. Aber hallo, wir reden hier ja auch nicht von Spezialitätenkaffee, sondern von einer Barmischung. Und die ist dafür schon sehr gut und auch zu Hause mit der eigenen Maschine reproduzierbar.

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World of Coffee – Budapest 2017

Einmal im Jahr treffen sich die Kaffeeexperten aus aller Welt, um sich auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und sich über die neuesten Trends und Produkte zu informieren. Gleichzeitig werden an dem jeweiligen Austragungsort auch die verschiedenen Weltmeisterschaften ausgetragen:
World Barista Championship (WBC)
Word Latte Art Championship (kunstvolle Zubereitung von Milchschaum)
World Coffee Roasting Championship (Kaffee rösten)
World Brewers Cup (Zubereitung von Brühkaffee)
World Cup Tasters Championship (Kaffee identifizieren mittels Geschmacks-und Geruchssinn)
World Coffee in Good Spirits Championship (Kaffeekreationen mit Alkohol)
World Chezve / Ibrik Championship (Zubereitung von Mokka)

Die diesjährige „World of Coffee“ fand diesmal in Budapest / Ungarn vom 12. – 15.Juni 2017 statt und es gab wieder viel zu sehen, sowohl direkt auf der Messe und in Budapest am Abend. Auch wenn sich die Kaffeebranche in den letzten Jahren stark verändert hat, war es sehr schön viele alte und neue internationale Freunde getroffen zu haben.

Die bisherigen Austragungsorte der World of Coffee in chronologischer Reihenfolge:

2011 – Maastricht / Niederlande
2012 – Wien / Österreich
2013 – Nizza / Frankreich
2014 – Rimini / Italien
2015 – Göteborg / Schweden
2016 – Dublin / Irland
2017 – Budapest / Ungarn
2018 – Amsterdam / Niederlande
2019 – Berlin / Deutschland ?

Neben den internationalen Wettbewerben, die mit teilweise hochkarätigen Baristas als Teilnehmer besetzt waren, haben mir persönlich einige der ausgestellten Siebträgermaschinen besonders gut gefallen:

Die Firma La Marzocco hat dann auch am 14. Juni auf der hauseigenen Party im Buddha-Bar Hotel in Budapest mit der Nachbildung der „Strada“ in Eis meiner Meinung nach ein wunderschönes Exponat geschaffen:

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Heimbs Kaffee beim Bäcker

Vorab eine kurze Einführung zu Heimbs: Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1880 in Braunschweig als „Spezialgeschäft in Kaffee und Thee“. Damit zählt Heimbs eindeutig zu den ältesten Kaffeeröstereien in Deutschland mit einer ebenso langen Kaffeetradition. Der goldene Löwe im Firmenemblem soll übrigens als Zeichen für Heimbs Premiumqualität stehen.

Klassische und damit auch typische Abnehmer für die Kaffees sind vor allem Gastronomie-Kunden (Hotels, Gaststätten, Bäckereien), die online über den Heimbs-Shop einkaufen können.

In Kassel – kurz vor Beginn der documenta 14 – bin ich dann im Stadteil Vorderen Westen im Hauptgeschäft von Bäcker Becker gelandet. Dort wird alles, was es dort zu kaufen gibt, in der eigenen Backstube zubereitet. Das Sortiment reicht dabei von Brötchen und Brot (ohne Konservierungsmittel und Hilfsstoffe) über Kuchen und Torten bis hin zu Pralinen. Unbedingt probieren sollte man den hessischen Schmandkuchen !

Bei dem Bäckerei-Besuch mit anschließender Espresso-Verkostung im Café-Bereich hat sich für mich allerdings ein starkes Delta zwischen der Konditor-Kompetenz und der Kaffee-Kompetenz aufgetan: Handwerklich und geschmacklich überragend war der hervorragende Rhabarberkuchen und die Nougat-Marzipan-Rolle verdient dazu eine besondere Bewertung: Par Exellence.

Aber: Der dazu bestellte Espresso aus einem WMF-Vollautomaten – mit Heimbs-Espresso Bohnen bestückt – war unglaublich schlecht: Unterextrahiert und nicht trinkbar.

Hier wäre der Kaffeeröster wirklich gut beraten ein wenig Know-How an die Kunden weiterzugeben, denn im Endeffekt verbindet sich das Erlebnis sowohl mit der Bäckerei / Café als auch mit dem Namen des Kaffeerösters und beide bleiben – leider – in punkto Kaffeegenuss in schlechter Erinnerung.

Nachdem ich mir die verschiedenen Kaffeesorten bei Heimbs online angeschaut habe, kann ich nicht glauben, dass der Kaffee so schlecht schmecken muss. Ich werde mich mal direkt an Heimbs wenden, vielleicht bekomme ich ja ein kleines Testpaket.